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Faszination Imkern

Natürlich freut sich jeder Imker, wenn der eigene Honig goldgelb aus der Schleuder fließt. Das ist immer wieder ein besonderer Moment, der den Imker stolz macht, aber zugleich auch demütig angesichts dieses Naturwunders.

Bienen strahlen eine unvergleichliche Faszination aus. Und deshalb ist die Honigernte für die meisten Imker bei weitem nicht der wichtigste Grund, weshalb sie ihrer Beschäftigung nachgehen.

Allein die Tatsache, dass ein Organismus – das Bienenvolk – aus mehreren zehntausend, perfekt miteinander kommunizierenden Individuen besteht, lässt uns staunen. Und wie diese Kommunikation funktioniert, wie es dem Bienenvolk gelingt, sich unter ständig wechselnden Bedingungen gemeinsam zu entwickeln, das ist noch längst nicht vollständig erforscht.

Das Imkern verändert Dich. Wenn Du damit beginnst, stellst Du rasch fest, dass Du die Natur mit anderen Augen betrachtest. Du wirst zum aufmerksamen Naturbeobachter. Du lernst die Planzen in Deiner Umgebung kennen. Du registrierst, wann sie blühen. Der Beginn einer Jahreszeit ist kein Datum im Kalender mehr, sondern durch die Entwicklung der Natur bestimmt. Und Du erfährst, was diese Entwicklung für Deine Bienen bedeutet und wie Du sie am besten unterstützen kannst.

Kurz: Das Leben mit den Bienen ist eine einmalige Chance, lebenslang zu lernen. Es bedeutet aber auch eine große Verantwortung. Uns Imkern sind hochkomplexe und äußerst wertvolle Lebewesen anvertraut.

Ihre Majestät mit Gefolge. Ein Bienenvolk ist ein faszinierender Gesamtorganismus mit klar verteilten Zuständigkeiten.

Zucht als Gemeinschaftsprojekt

Ein Volk für alle Fälle

So ein Bienenvolk muss schon einiges können, um gesund und vital zu bleiben und obendrein seinem Imker Freude zu bereiten. Sanftmütig sollte es sein, nicht zu viel Lust am Schwärmen entwickeln, viel Brut anlegen und aufziehen und – vielleicht am wichtigsten – möglichst widerstandsfähig gegen den Bienenfeind Nummer eins sein: die gefürchtete Varroa-Milbe.

Ob und wie stark ein Bienenvolk diese und weitere positive Eigenschaften in sich vereint, hängt wesentlich von der Qualität der Königin ab. Schließlich sind alle Bienen im Stock Töchter und Söhne dieser einen Mutter.

Bienenzüchter vermehren deshalb gezielt Königinnen aus Völkern mit diesen Eigenschaften. Dieser wichtigen Aufgabe kann jeder Imker mit viel Aufwand selbst nachkommen oder seine Königinnen einfach bei einem Züchter seines Vertrauens erwerben.

Die Jossgründer Imker haben sich 2022 entschieden, das Züchten gemeinsam anzupacken. Aus Mitteln der Vereinskasse haben sie sich gemeinsam ein prämiertes Spitzenvolk geleistet, das die oben erwähnten Eigenschaften nachgewiesen hat. Die königliche Hoheit dieses Bienenvolks produziert fortan nicht nur Nachwuchs im eigenen Stock, sondern liefert Zuchtstoff, sprich: jüngste Larven, die alle interessierten Jossgründer Vereinsimker in den eigenen Völkern zu erstklassigen Majestäten heranwachsen lassen können.

Das schafft nicht nur eine verbesserte genetische Grundlage im gesamten Bezirk, sondern regt auch zum gemeinsamen Ausprobieren und Erlernen der geeigneten Vermehrungs- und Aufzuchtmethoden an. Spaß gemacht hat das gemeinsame Züchten im Premierenjahr ohnehin.

Und wem gehört der Honig aus dem gemeinsamen Vereinsvolk? Den verwenden die Jossgründer Imker unter anderem als Präsent für die zumeist sehr jungen Besucherinnen und Besucher, die sich im Rahmen von Ferienspielen und Schulprojekten immer wieder beim Verein über die Bienenhaltung informieren. Einen Bienenvolk für alle – das Konzept geht auf.

Schwarmstimmung

Wenn Bienen ausziehen

Wenn ein Bienenvolk dem Höhepunkt seiner Entwicklung entgegen strebt, will es sich vermehren. Das Volk gerät in Schwarmstimmung. Die Bienen ziehen sich eine neue Königin heran, während sich die bisher regierende Majestät drauf vorbereitet, sich mit einem großen Teil ihres Gefolges auf die Reise zu begeben und eine neue Behausung zu suchen. Aus einem Bienenvolk werden zwei.

Der Imker betrachtet dieses faszinierende Ereignis mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist das Schwärmen ein natürlicher Vorgang und beweist die Vitalität und die gesunde Entwicklung des Bienenvolkes. Nur ein vor Kraft strotzendes Volk will schwärmen.

Andererseits ist das zurückbleibende Volk nach dem Schwärmen erheblich dezimiert und bringt deutlich weniger Honig. Außerdem muss man wissen: Heutzutage hat der abgegangene Schwarm keine große Überlebenschance. In unserer ausgeräumten Landschaft ist es immer schwieriger, eine Baumhöhle als geeignete Behausung zu finden. Und die Varroamilbe wird dem abgeschwärmten Volk ohne die schützende Behandlung des Imkers bald sehr zusetzen.

Die meisten Imker versuchen deshalb, das Schwärmen durch vorbeugende Maßnahmen zu verhindern beziehungsweise den Schwamtrieb zu lenken. Nun haben Bienen aber oft ihren eigenen „Fahrplan“ und schwärmen schon mal, ohne ihren menschlichen Beschützer vorher in ihre Pläne einzuweihen.

Dann beginnt ein faszinierendes Naturschauspiel. Wer den Schwarm früh genug entdeckt, kann ihn einfangen und daraus ein neues Bienenvolk aufbauen. Das gestaltet sich nicht selten ziemlich abenteuerlich. Wir haben einige Impressionen rund ums Schwärmen zusammengestellt.

Der Schwarm am Baum.

Der Schwarm wird eingefangen.

Der Schwarm läuft ein.

Der Schwarm ist in der Kiste.

Zwischenbilanz

2021: Eine imkerliche Herausforderung

Dass die Imkerei nie nach Schema F verläuft, macht diese Aufgabe so faszinierend und erlebnisreich. Die Natur ist nicht planbar.

In diesem Frühjahr und Sommer bekamen das die Imker und ihre Bienen besonders deutlich zu spüren. Ein außergewöhnlich kühles Frühjahr ließ die Frühtracht erst mit mehrwöchiger Verspätung einsetzen. Und als die Obstblüte, der Löwenzahn und frühe Beerensträucher dann endlich aufgingen, setzen nasse Tage ein, an denen die Bienen nur selten geeignetes Flugwetter fanden, um den Nektar zu sammeln.

Das führte dazu, dass die Bienenvölker teilweise noch im Mai vom Imker mit Futter versorgt werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt dreht sich in guten Jahren schon zum ersten Mal die Honigschleuder zur Ernte. Der „Notstand“ führte in unserer Region auch vielfach zu einer verlangsamten Entwicklung der Bienenvölker.

Erst mit dem Beginn des Sommers bekamen die Jossgründer Bienen die Chance, aufzuholen. Und tatsächlich legten sich die meisten Völker zur Sommertracht mächtig ins Zeug. Ein Jahr ohne Honig – wie mancher schon befürchtete – wird 2021 also nicht. Die Kunden der Jossgründer Imker dürfen sich auf aromatischen Sommerhonig freuen.

Saisonstart 2021

Neustart im Bienenvolk

Der Frühling ist da. Die Temperaturen steigen, die Vegetation erwacht. Und damit beginnt auch für die Bienenvölker eine neue Lebensphase. Im Winter hatten sich die Bienen im Stock zu einer Kugel zusammengezogen, um sich gegenseitig zu wärmen. Sie hatten ihre Aktivität stark eingeschränkt und die anstrengende Aufzucht von Brut und Jungbienen fast völlig eingestellt. Es ging in den vergangenen Monaten nur darum, dass genügend Bienen den Winter überleben, um im Frühjahr wieder ein starkes Volk aufbauen zu können.

Genau das geschieht jetzt. Die Bienenkönigin legt wieder bis zu 2.000 Eier am Tag. Bis zur Kirschblüte will das Volk wieder so stark sein, dass es die Tracht optimal nutzen kann, und legt sich richtig ins Zeug – sehr zur Freude des Imkers. Das ist eine anstrengende Phase für das Bienenvolk, denn das Wärmen und Füttern der neuen Brut braucht viel Energie.

Bei uns im Jossgrund setzt diese Zeit, bedingt durch die Mittelgebirgslage, normalerweise bis zu drei Wochen später ein als beispielsweise in sonnigen Flusstälern. Aber auch in unserer Region sind die Bienenvölker inzwischen durchgestartet. Die Bienen haben ihren Reinigungsflug hinter sich und finden mit der Salweide erste Nahrung in Form von Pollen und Nektar.

Die Jossgründer Imker freuen sich auf ein spannendes Bienenjahr 2021.

Es ist wieder was los am Flugloch. Die Bienen nutzen die ersten Sonnentage, lösen die Wintertraube auf und gehen auf ihren Reinigungsflug.